Rückblende:

Das ökumenische Martinsgedenken 1997 in Trier

1997 wurde die 1600. Wiederkehr des Todestages des heiligen Martin († 8.11.397) an vielen Orten in Europa begangen. So auch in Trier, wo der heilige Martin in seinem Leben mehrfach gewesen ist. Die guten Erfahrungen mit der Bistumswallfahrt zum Trierer Christusgewand im Jahr zuvor hatten gezeigt, dass es gut tut, wenn sich katholische und evangelische Christen gelegentlich gemeinsam auf den Weg machen, um sich an geschichtsträchtigen Orten miteinander an prägende Ereignisse zu erinnern und sich so gegenseitig im Glauben zu stützen.

Vor-Bericht November 1997

Der heilige Martin lebte in einer Zeit des kirchlichen und gesellschaftlichen Umbruchs wie wir. Für seine Zeitgenossen war er ein "zweiter Christus", einer, an dem man ablesen konnte, was es heißt, bewusst Christ zu sein. "Martin hat den christlichen Glauben in einer faszinierenden Weise gelebt und aus dem Glauben heraus Zukunft gestaltet", sagt Bischof Walter Kasper von Stuttgart-Rottenburg. Ihn an seinem 1600. Todestag zu ehren, heißt, darüber nachzudenken, wie wir heute entschieden Christ sein können.

Weil der heilige Martin als Bischof von Tours mehrmals in der römischen Kaiserstadt Trier weilte, hat unser Bischof Hermann Josef aus den eben genannten Gründen heraus die Gläubigen der Stadt und des Bistums - und da in besonderer Weise die 75 Martinspfarreien - zu einer zentralen Martinsfeier am 8. November 1997 nach Trier eingeladen. Etwas aufregend Neues dabei: Auf Anregung des Presbyteriums der evangelischen Gemeinde Trier sollen die Katholiken auf ihre evangelischen Mitchristen zugehen und sie einladen, zum ökumenischen Martinsgedenken mit nach Trier zu kommen.

Das ökumenische Martinsgedenken ist als Gottesdienst an drei Stationen konzipiert. Es beginnt um 16.00 Uhr mit einem Bußakt auf dem Viehmarkt(neben dem römischen Forum, wo zum ersten Mal in der Geschichte Christen andere Christen als Ketzer verurteilen und hinrichten ließen. Um dagegen zu protestieren, kam der heilige Martin im Jahr 385 nach Trier. Schweigend - in Erinnerung an Martins Mönchsein - geht die Prozession zur Basilika (Teil des römischen Kaiserpalastes), wo der heilige Martin sich mutig für Andersdenkende eingesetzt hat. Hier erfolgt die Wortverkündigung. Mit brennenden Kerzen wird die Heilige Schrift anschließend zum Dom geleitet. Am alten Baptisterium vor dem Dom werden im Gedenken an Martins Taufe und die eigene Taufe die Kerzen abgestellt.

Es folgen im Dom Fürbitten und Segen, bevor ein Martinszug mit den Laternen, die die Kinder von zu Hause mitbringen, um den Dom herumführt. Abschließend werden Bischof und Oberbürgermeister Martinsbrezeln verteilen, danach gibt es Gesprächs- und Begegnungsmöglichkeiten in Räumen in der Nähe des Doms.

Der Einladung von Bischof Hermann Josef Spital zur Ökumenischen Feier des 1600. Todestages des heiligen Martin sind damals 3500 Menschen gefolgt - was nicht nur den Bischof überraschte. 200 hatten sich angemeldet.

Ein ausführlicher Bericht im damaligen Format von Paulinus online - der heutigen Wochenzeitung im Bistum Trier