Impulse für das Leben als Christin / als Christ

Geistliches im Geist des heiligen Martin

Immer wieder hört man in den Medien von bösartigen Gerüchten, die Angst machen. So war es schon zu Martins Zeiten, s. Vita 18:

„Inzwischen war die Stadt (=Trier) durch ein unerwartetes Gerücht von dem Vormarsch und Einfall der Barbaren in Bestürzung versetzt worden, Martinus ließ nun einen Besessenen vor sich bringen; er befahl ihm, zu bekennen, ob diese Nachricht auf Wahrheit beruhe. Da gestand dieser, zehn Dämonen seien bei ihm gewesen; sie hätten das Gerücht unter dem Volk ausgestreut, damit wenigstens auf solche Schreckenskunde hin Martinus aus der Stadt flüchtete. Die Barbaren dächten an nichts weniger als an einen Einfall. Da der unreine Geist mitten in der Kirche dieses Geständnis ablegte, wurde die Stadt von der beängstigenden Furcht befreit.“

Wenn es doch jemanden gäbe wie St. Martin, der die Dämonen aus dem Netz vertreiben könnte!

  • Der Heilige als Kamerad der (gefallenen) Soldaten? (in St. Martinus Trier-Zewen)

    Eine ungewöhnliche Martins-Darstellung:

    Kriegerdenkmal in der Kirche St. Martinus in Trier-Zewen

    Der heilige Martin mit wallendem Mantel, einen (Stahl?-)Helm auf dem Kopf, zügelt sein Pferd und beugt sich nieder. Er beugt sich hinunter – zu einem Bettler? Nein: zu einem Soldaten des Ersten Weltkriegs, gut erkennbar an seiner Uniform und am Helm auf dem Kopf. Der Soldat liegt vor dem Pferd am Boden; er hebt bittend Blick und Hand zu dem berittenen Soldaten Martin, wie wir es von vielen Bildern der Mantelteilung kennen…

    Eine befremdliche Martins-Darstellung? Die Inschrift auf dem Kriegerdenkmal der Kirche St. Martinus in Trier-Zewen klärt uns auf: „Hl. Martinus, Gottesstreiter, hilf den gefall(enen) Kameraden erstehen zum ewigen Leben!“

    In einer Zeit der Not und Trauer wendet sich die Gemeinde St. Martinus an ihren seit Jahrhunderten verehrten Kirchenpatron. Der heilige Martin, selbst 25 Jahre Soldat im römischen Heer, möge den Gefallenen der Gemeinde zur Auferstehung ins Ewige Leben helfen.

    Martins zeitgenössischer Biograf berichtet, dass Martin gegen seinen Willen schon als Fünfzehnjähriger vom Vater zum Kriegsdienst gezwungen wird. (Der Vater, ein römischer Offizier, hatte den Sohn nach dem Kriegsgott Mars genannt…) Als Soldat lässt Martinus sich später taufen und nimmt das Gebot: „Du sollst nicht töten“ ganz ernst.

    Damals lehrte die Kirche (Synode von Arles, 314), dass christlich gewordene Soldaten in Friedenszeiten nicht aus dem Heer ausscheiden dürfen – es sei denn, es kommt zum Kampf. Als Kaiser Julian 356 bei Worms sein Heer zu einer Schlacht gegen die Alemannen zusammenzieht, scheidet Martin sehr zum Ärger des Kaisers als Veteran aus dem Kriegsdienst aus. So bleibt ihm das Töten erspart, und weil die Alemannen in der gleichen Nacht um Frieden bitten, bleibt dem Heiligen auch der Schmerz erspart, andere sterben zu sehen, vgl. Vita, 4)…

  • Martin komm

    martin
    martin
    komm

    mach uns
    mach uns fromm

    martin
    martin hör

    teilen fällt
    uns schwer

     

    martin
    guter mann

    zünd ein
    licht uns an

    martin
    martin reit nicht fort

    bleibe hier
    und bleibe dort

    martin
    sag uns klipp und klar


     

     

    was ist gut
    und was ist wahr

    martin
    bischof heilger mann

    steck auch
    unsern bischof an

    martin
    martin hör

    teilen
    fällt uns schwer

     

     

     

     

     


    Aus: Wilhelm Willms: meine schritte kreisen um die mitte. neues lied im alten land.
    © 1984  Butzon & Bercker GmbH, Kevelaer, S. 179, www.bube.de - mit freundlicher Genehmigung

  • Christus begegnen

    Es ist leicht, so dahinzuleben, wenn nichts Besonderes passiert.
    Manchmal ist es so, wie wenn ich Gott vergessen hätte.
    Oder ich habe einfach keine Zeit auch noch an ihn zu denken und zu beten.
    Morgen vielleicht.
    Gottesdienste sind zu unpassender Zeit oder gefallen mir nicht.
    Sehnsucht spüre ich schon, aber Gedanken an Gott lassen sich so leicht verdrängen und aufschieben.

    Dem heiligen Martin ist Christus begegnet — en passant,
    im Vorbeigehen, auf dem Weg.
    Warum nicht auch mir?
    Würde ich ihn erkennen?
    Was hindert mich, innezuhalten und achtsamer zu sein?
    Wo habe ich das Gefühl, dass ich innerlich auf der Flucht bin?
    Auf welche Augenblicke möchte ich mich tiefer einlassen?
    Wie kann ich meinen Alltag und meinen Glauben besser verbinden?

    Mein erster Schritt könnte sein...

    aus: Liturgische Bausteine, hrsg. Bischöfl. Ordinariat Rottenburg, Hauptabteilung VIIIa

  • Meditation

    MEDITATIONSTEXT

    Heiliger Martin,

    dein Leben wolltest du in Schlichtheit, Einfachheit und Stille leben.

    Als Mönch wolltest du leben.

    Ohne Pomp und Prunk, ganz Gott und deinem Nächsten zugewandt.

    Ob Kranke, Arme oder Suchende — sie alle haben unter deinem Mantel Platz

    gefunden.

    Schutz, Zuflucht und Heimat hast du vielen gegeben.

    Deine Liebe und Zuwendung haben sie erfahren.

    Viel hat dein Weg von dir verlangt.
    Dass du aus deinem Elternhaus gingst.
    Dass du die Strapazen und Gefahren von weiten Reisen auf dich nahmst.
    Dass du dich für deine Gegner eingesetzt hast.
    Dass du den Auftrag Bischof zu werden annahmst.
    Dass du in den Menschen immer deinen Nächsten sahst.
    Dass du dich immer wieder für das Gute entschiedest.

    In vielen Ländern und Sprachen war dein Name bekannt.

    Du gingst deinen Weg mutig und aufrecht, warst standhaft und fest
    in deinem Auftrag und Glauben, dem Glauben an den dreieinigen Gott.


    aus: Die Welt braucht mehr Martinus, hrsg. Diözese Eisenstadt, 2016.

  • Wie Martin ist ....

    Wie Martin ist...

    …  der Mann, der beim Bäcker dem Kind den Vortritt lässt.

    …  die Frau, die sich Zeit nimmt für die Erzählungen der Nachbarin.

    ...  der Jugendliche, der der ausländischen Nachbarsfamilie bereitwillig beim Ausfüllen der Formulare hilft.

    … die Familie, die ihr leerstehendes Ferienhaus kostenlos einer kinderreichen Familie für den Urlaub überlässt.

    … der Junge, der für seinen Klassenkameraden eintritt, den die ande­ren wegen seiner Trägheit verspotten.

    … das Mädchen, das ungebeten im Haushalt hilft.

    … die Frau, die sich vom Äußeren nicht abstoßen lässt und dem Jungen mit der Punkerfrisur geduldig zuhört.

    … der Junge, der ungefragt mit dem kleinen Kind der Tante spielt, damit diese ein paar Stunden Zeit für sich selbst hat.

    … das Mädchen, das von seinem vielen Spielzeug etwas verschenkt, weil es damit einer Freundin eine Freude macht.

    … der Mann, der am Straßenrand hält, um bei einer Panne zu helfen, obwohl er es eilig hat.

     … die Familie, die einen einsamen Gast zu sich bittet, auch wenn sie lieber alleine bliebe.

    Wie Martin ist...

    ... der, der kleine Dinge ernst nimmt und so handelt, als wären es große Dinge.

    aus: Heiliger Martin von Tours, 1997 hrsg. vom Pastoralamt der Diözese Eisenstadt

  • Impuls für unterwegs

    Zur Gabenprozession im Gottesdienst zum Abschluss der Synode am 1.5.2016 brachten Synodale Symbole zum Altar, die Pilgerinnen und Pilger als Impuls zum Nachdenken und zum Austausch untereinander anregen können:

    So geht Syn-ode (= miteinander auf dem Weg sein)!

    Wir bringen einen gefüllten Rucksack.
    Symbol dafür, dass wir gut entscheiden müssen,
    was wir als Kirche im Bistum Trier mitnehmen

    wollen auf unserem Weg in die Zukunft.

    Vieles können wir zurücklassen:
    Das, was uns belastet, was uns hindert am Weitergehen, was uns bindet an Vergangenes.
    Das, was wir nicht mehr tragen können. Das, was sich im Laufe der Zeit vollendet hat.

    Wir nehmen mit, was wir brauchen, um Neues zu gestalten können:
    das unerschütterliche Vertrauen, dass Gott mit uns geht.

    Wir nehmen mit, Offenheit und Empathie, die uns helfen aufeinander zu zu gehen und gemeinsam Wege zu suchen.
    Wir nehmen mit, Haltungen und Überzeugungen, die wir brauchen,
    um als Christ, als Christin bewusst und überzeugt zu leben.

    Gott möge unsere begrenzte Vorstellungskraft
    und unsere Angst vor Neuem

    wandeln in Zuversicht und Mut,
    die allein in ihm gründen.

     

    Wir bringen zwei Pilgerstäbe, die uns daran erinnern,
    dass wir als Christinnen und Christen unterwegs sind

    in dieser Welt:

    Gemeinsam mit ganz unterschiedlichen Menschen,
    die nicht immer unserem persönlichen Maßstab entsprechen,
    gemeinsam in der großen Vielfalt von Biographien und Lebensweisen,
    gemeinsam als Partnerinnen und Partner anderer Konfessionen und Religionen,
    gemeinsam mit Gott.

    Unser Weg wird spannend sein und voller Über­raschungen,
    wenn wir nicht verhaftet bleiben in nicht mehr tragfähigen Strukturen und Traditionen.

    Möglichkeiten werden sich eröffnen, an die bisher niemand dachte.

    Wir werden auf Menschen treffen,
    die bisher nie im Blick waren, die wir übersehen haben, weil sie uns nicht wichtig waren.
    Wir werden Orte entdecken, zu denen wir bisher den Weg nicht kannten.
    Wir können Gemeinschaft und Versöhnung dort erleben,
    wo bisher Ausgrenzung und Distanz die Oberhand haben.

    Gott möge unsere Unbeweglichkeit verwandeln
    in die Bereitschaft, die Zeichen der Zeit zu erkennen,

    jeden einzelnen Menschen in seiner persönlichen Lebenssituationen zu achten und mit zu gehen.

     

    Wir bringen ein Zelt als Symbol dafür,
    dass es immer wieder notwendig sein wird, innehalten zu können auf dem Weg,
    sich auszuruhen und Kraft zu schöpfen
    und in der Begegnung mit anderen
    neue Inspiration zu finden.

    Unterwegs sein braucht auch Pausen, die Einladung Atem zu holen,
    sich stärken und ermutigen zu lassen, Raum zum Gespräch, Raum für die Stille, Raum für Gott.
    Diese Räume können sich überall eröffnen, auch an Orten, die wir jetzt noch nicht kennen,
    an Orten, wo wir dem Leben der Menschen begegnen.

    Gott möge unser oftmals getriebenes Hasten und Eilen verwandeln in ruhiges, Leben spendendes Verweilen. Amen.